„Impulse, die die eigenen Gedanken erweitern“

Es ist keine Seltenheit – im Gegenteil, es kommen häufiger Besuchergruppen nach Langenbach bei Kirburg. Ob Landfrauen, Vereine, Unternehmer: Bereitwillig gibt Markus Mann ihnen allen Auskunft über das, was er seit Anfang der 1990er-Jahre getan hat, um die Energiewende voranzubringen. Und spricht darüber, wieso die Demokratisierung und Dezentralisierung für ihn der einzig gangbare Weg in die Zukunft unserer Energieversorgung ist. Die 62 Gäste von den Stadtwerken Bonn (SWB), die sich heute angemeldet haben, sind dennoch eine besondere Gruppe.

 Interessierte Zuhörer: die Besucher aus Bonn.   Fotos: Schmalenbach

„Mehr als spannend! Wirklich beeindruckend, was Herr Mann da aufgebaut hat über die vielen Jahre! Und zwar ökologisch angetrieben, aber zugleich ökonomisch erfolgreich.“ So wird später beim gemeinsamen Mittagessen Philipps anerkennendes Resümee über das in Langenbach Gehörte und Gesehene lauten. Er ist wie alle heutigen Besucher bei der „Energie- und Wasserversorgung Bonn/Rhein-Sieg GmbH“ beschäftigt, in der Region bekannt als „SWB Energie und Wasser“. Bei diesem Konzernteil der „Stadtwerke Bonn GmbH“ arbeitet Philipp in der Stabsstelle „Energielösungen“.

MANN und eben diese SWB verbindet eine inzwischen mehr als 25-jährige Partnerschaft. Die Stadtwerke waren, neben der in Hachenburg ansässigen „Westerwald-Brauerei“, die ersten, die bereits 1998, direkt nach der Liberalisierung des Strommarktes, den Bezug von Ökostrom von MANN vereinbarten (die „Wäller Energiezeitung“ berichtete) und damit zu einem Wegbegleiter wurden.

Seither läuft die erfolgreiche Kooperation, der Ökostrom aus dem Westerwald wird in der Großstadt am Rhein als „BonnNatur Strom“ angeboten. Dieser trägt ebenso das „Grüner Strom Label“ (GSL) wie „MANN Cent“. Das Siegel bestätigt, dass ein Teil des Entgelts direkt wieder in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert wird.

Größter Kunde beim SWB-Ökostrom ist die Stadt Bonn mit 77 Millionen Kilowattstunden (kWh), die jährlich abgenommen werden. Damit fahren Straßenbahnen in der Bundesstadt, regeln Ampelanlagen den Verkehr oder werden Straßen und Plätze beleuchtet. Daneben wählen viele ortsansässige Firmen „BonnNatur Strom“ und natürlich ebenso Privathaushalte.

 „Alle sind so beeindruckt“, sagt Robert Landen.

Bei den „SWB Energie und Wasser“, die sie alle versorgen, findet vierteljährlich ein „Vertriebsdialog“ statt. Dieser sei ursprünglich ins Leben gerufen worden nach einer Umfrage unter Mitarbeitern, die darin zu Protokoll gaben, sich über (interne) Entwicklungen nicht ausreichend informiert zu fühlen, erzählt Robert Landen. Der Vertriebsleiter von „SWB Energie und Wasser“ beschreibt, dass man anschließend überlegt habe, wie man Informationen besser weitertragen könnte. „Wir sind ja auch in einem Wachstumsprozess, und viele bekommen nicht mit, was die anderen im Konzern tun. Also haben wir gesagt, wir müssen ein Format finden, mit dem wir besser informieren können – und zwar nicht auf Vortragsbasis, sondern in einer Art ‚Workcafé‘.“ So sei der „Vertriebsdialog“ entstanden. Landen: „Das ist eine freiwillige Veranstaltung – mit 97 Prozent Teilnahmequote! Die Leute richten ihren Urlaub danach aus, sind total happy damit!“

Irgendwann sei zusätzlich die Idee aufgekommen, einen der vier Termine eines Jahres „on tour“ zu machen, ergänzt der Vertriebsleiter. Nach „Corona“ ging der erste entsprechende Ausflug zur „Trianel“, einer Kooperation von Stadtwerken mit Sitz in Aachen, die nach eigener Darstellung über sechs Millionen Menschen in Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz versorgt und bei der die SWB Teilhaber sind. „Das war total super“, blickt Landen zurück, „das hat allen gut gefallen, und es kam der Wunsch auf, so etwas erneut zu organisieren.“

2023 im Mai fuhren die Bonner daraufhin zu den „Netzwerkpartnern“. Hinter diesem eingetragenen Verein stehen über 135 Stadtwerke, regionale und überregionale Energieversorger aus ganz Deutschland, „die sich ohne Gewinnerzielungsabsicht organisiert haben, um den Herausforderungen der Energiewirtschaft gemeinsam zu begegnen“, wie es auf deren Homepage heißt.

Und in diesem Jahr beim dritten „Vertriebsdialog on tour“ also die Exkursion zu „MANN Naturenergie“. „Da müssen wir unbedingt hin“, habe man gedacht, so Robert Landen. „Und nun sind wir hier – und alle sind so beeindruckt! Die Kollegen haben teilweise gesagt, dass sie sogar aufs Mittagessen verzichtet hätten, um Markus Mann weiter zuhören zu können. Wahnsinn!“

 Daniel Rahn (rechts), Projektingenieur bei MANN, führt eine Gruppe durch die SEO-Sägeanlage.

Bei dem gemeinsamen Betriebsrundgang zur Rundholzsortieranlage der „Westerwälder Holzpellets“ (WWP), zu deren Pelletpressen, zum Strom-Großspeicher oder den ungewöhnlicherweise vertikal an den Silos der WWP angebrachten Photovoltaikmodulen beschreibt der Energiepionier, wie er 1991 die allererste Windkraftanlage von Rheinland-Pfalz aufstellte, 1995 das Biomasse-Heizkraftwerk startete, das noch heute Energie aus Biomasse produziert. Er zeigt etliche Wallboxen, die im Gleichstrombereich sogar bis zu viermal je 300 Kilowatt (kW) bieten. Oder jene originelle, zu zwei Ladepunkten à 22 kW umgerüstete Original-Zapfsäule, an der einstmals noch Benzin in Langenbach getankt wurde. Solche Details faszinieren die Zuhörer.

Markus Mann führt aus, dass es inzwischen 47 vollelektrische Firmen-Pkw für die Mitarbeiter und sieben E-Lkw gebe. Er erklärt den Besuchern aus Bonn das selbstprogrammierte, aktive Lastmanagement, in welcher kaskadierten Reihenfolge es Verbraucher steuert oder dass „MANN Naturenergie“ und „Westerwälder Holzpellets“ (WWP) am Firmensitz in Langenbach jährlich 9,5 Millionen kWh Strom verbrauchten – jedoch dort ebenso viel Strom aus Sonne, Biomasse und Wind erzeugt werde.

 Sieben Kubikmeter Holzspäne werden für eine Tonne Westerwälder Holzpellets benötigt. In die Schaufel des Radladers passen elf – oder vier Mitarbeiter der SWB für ein Erinnerungsfoto vom Besuch bei MANN.

Die angereisten 62 Mitarbeiter der SWB sind dort im Vertrieb sowie dem Marketing tätig. So wie Sarah. Sie staunt, „wie vielfältig das Portfolio von ‚MANN Energie‘ tatsächlich ist. Der Einblick ist daher sehr, sehr spannend gewesen, weil mir nicht bewusst war, was ‚MANN Energie‘ alles macht.“

„Ich fand es ebenfalls sehr spannend hier. Ich habe auch viele Zahlen gehört, die ich noch nicht kannte. Und ich fand mega beeindruckend, was da auf dem, so nenne ich es jetzt mal, ‚Campus‘ in Langenbach alles umgesetzt wird, wie die einzelnen Teile und Projekte zusammenspielen“, pflichtet Peter aus dem „Vertrieb Energiedienstleistungen“ seiner Kollegin bei.

Am Ende des „Vertriebsdialogs on tour“ sind offenkundig alle angetan von dem Austausch zwischen den beiden Partnerunternehmen. „Ich bin selber in der Konzernstrategie/Konzernentwicklung bei uns. Und wir arbeiten immer wieder an Projekten, die völlig neu sind, mit denen es nur wenige Erfahrungen gibt“, schildert Amir. „Insofern hat es mich heute extrem begeistert, zu sehen, mit welchem Mut, mit welcher Vorstellungskraft und auch mit dem Wissen, dass man auch fallen und wieder aufstehen kann, hier so stark Ideen vorangebracht werden.“ Zudem habe es ihn fasziniert, dass das Bild, das man bei MANN für die Zukunft hat, in alle Themen schrittweise eingebracht, konsistent verfolgt werde „und dieser Geist auch in die Belegschaft vermittelt wird. Ich hätte Herrn Mann noch viel, viel länger zuhören können!“

Ihm sei spontan die Idee gekommen, fügt Amir abschließend noch an, in der Zukunft vielleicht einmal alle Führungskräfte der SWB nach Langenbach zu bringen. „Solche Impulse helfen, die eigenen Gedanken zu erweitern.“

Uwe Schmalenbach

Super! Blätter wie ein Herz

Alte Obstbäume und vielfältige Gemüsebeete, dichte Beerensträucher, bunte Blumen, knackige Kräuter, ein kleines Gewächshaus, ein Wildpflanzenbereich und eine Totholzhecke: Der Schulgarten der „Stöffelmaus-Schule“ ist herrlich abwechslungsreich und sensibilisiert die Kinder für einen sorgsamen Umgang mit der Natur. An Sommertagen findet der Unterricht gerne mal draußen statt unter dem Motto „Schule unterm Blätterdach“. Von diesem „grünen Klassenzimmer“ aus hat man seit kurzem einen tollen Blick auf die neue Friedenslinde.

 Im kommenden Sommer spendet die Friedenslinde Schatten im Außenklassenzimmer.

Kevin Wagner vom zur MANN-Firmengruppe gehörenden Unternehmen „Westerwälder Holzpellets“ (WWP) und André Zöllner von der Daadener Baumschule Hebel sind schon vor dem Beginn des Baumpflanz-Events an der „Stöffelmaus-Schule“ auf deren Gelände in Stockum-Püschen aktiv: Sie bereiten die Stelle vor, an welcher der gut fünf Meter hohe Baum gleich in die Erde gebracht werden soll. Mit einem Minibagger müht sich Zöllner, er ist Gärtner der Fachrichtung Baumschule, eine ganze Weile, ehe er alle Gesteinsbrocken aus dem Loch gehoben hat, so dass die Friedenslinde mit ihrem großen und schweren Ballen einen sicheren Halt finden kann.

Bekanntlich gibt es Kaiser-, Hexen-, Freiheits- und eben Friedenslinden. Im Westerwald kennt man sogar einen kleinen Ort namens Linden, gelegen unweit des Dreifelder Weihers. Den Lindenbaum für die Grundschule in Stockum-Püschen hat „MANN Naturenergie“ gestiftet, nachdem sich die „Stöffelmaus-Schule“ beim vom Regionalprojekt „Kräuterwind“ ausgerichteten „Wäller Gartenpreis“ beworben hatte (siehe dazu auch „Ein Schattenspender und bunte Friedenstauben”).

 Gar nicht so leicht, die Friedenslinde zu bewegen…

„Heute haben wir herrliches Frühlingswetter, es ist Frühlingsanfang, außerdem Welttag des Glücks – und heute wird unsere Friedenslinde gepflanzt“, erklärt Susanne Kersten den Kindern. Die Leiterin der Grundschule im Westerwaldkreis betont, dass dieser Schulmorgen darum ein ganz besonderer Tag sei – und verknüpft ihre Ansprache direkt mit etwas Unterricht: „Eine Linde erkennt man schon von Weitem. Denn: Wie sehen ihre Blätter aus? Lukas? Abigale?“ Es folgt die richtige Antwort, die Kersten „super“ findet: „Wie ein Herz.“

Die Kinder der „Stöffelmaus-Schule“ wissen zudem um den charakteristischen Duft der Linde, stehen am Rand ihres Schulgeländes doch fünf solcher Bäume. „Und wie gut unser Honig deswegen schmeckt“, ergänzt die Schulleiterin, dabei denkt sie an die kleine Schul-Imkerei. Danach erläutert Kersten die starke Anziehungskraft der Linde auf den Menschen, die auch mit deren großer Baumkrone zusammenhänge. „Linden wurden von Menschen immer zu besonderen Anlässen gepflanzt“, erfahren die Schüler, „sie sind lebende Denkmäler und sollen immer an ganz spezielle Menschen oder Situationen erinnern.“

Susanne Kersten erzählt, dass sie sich sehr gefreut habe, als die Nachricht von der neuen Friedenslinde sie erreichte, die die „Stöffelmaus-Schule“ aufgrund der Teilnahme am „Wäller Gartenpreis“ bekommen solle: „‚Au prima‘, dachte ich, die passt wunderbar in unser Schulkonzept mit den Bienen und ebenso als Bereicherung für unser Außenklassenzimmer, wo wir noch Schatten brauchen.“

 Kevin Wagner (links) und André Zöllner sorgen dafür, dass die soeben gepflanzte Friedenslinde an der „Stöffelmaus-Schule“ in Stockum-Püschen etwas unterstützenden Halt bekommt. Der Baum passt laut Schulleiterin Susanne Kersten bestens ins Konzept der Grundschule – und ist ein lebendes Denkmal.

Die neue Friedenslinde lenkt die Gedanken natürlich zugleich auf die vielen Kriegshandlungen auf der Welt. Klassenlehrerin Katalin Eichmann sagt, dass die Kinder der „Stöffelmaus-Schule“ sich mit dem Thema durchaus beschäftigten – trotz der Tatsache, dass sie noch im Grundschulalter sind: „Alleine dadurch, dass wir auch ukrainische Kinder haben.“ „Im Be-reich der Religions-, der Ethikstunden wird so etwas zudem thematisiert. Und ich denke schon, dass die Kinder dem Thema auch über die Medien ausgesetzt sind“, fügt die Schulleiterin hinzu. „In jedem Fall“ gehöre es zum schulischen Alltag, dass man mit den Kindern derlei aufgreife. „Das ist ja ohnehin unsere tägliche Aufgabe, dass wir Inhalte der Erwachsenenwelt, auch fachliche Inhalte, auf Grundschulniveau herunterbrechen, ohne die Inhalte zu verfälschen – das sollte generell über unserer Arbeit stehen“, unterstreicht Kersten, „man muss lernen, sich mit den Dingen im altersgerechten Maße auseinanderzusetzen.“

Der Pflanz-Tag ist indessen von heiterer Stimmung geprägt, gesungen wird in Stockum-Püschen so wie tags zuvor auf dem Schulhof der „Integrierten Gesamtschule Selters“, der „MANN Naturenergie“ ebenfalls eine Friedenslinde geschenkt hat. Am Ende des Events ertönt gar lauter Jubel, als Susanne Kersten – um die große Bedeutung, den wichtigen Gedanken hinter der Friedenslinde noch einmal herauszustellen –, verkündet: „Aus Anlass des heutigen, denkwürdigen Tages gibt es heute keine Hausaufgaben!“

Ein Schattenspender und bunte Friedenstauben

„Ich wünsche den Kindern und Erwachsenen in der Ukraine, in Israel und am Gaza-Streifen Frieden“: So steht es auf einer der bunten Friedenstauben. Eine ganze Menge davon – rote, blaue, grüne, welche in Pink und Violett – haben Sechstklässler der IGS, der „Integrierten Gesamtschule Selters“ noch an diesem Morgen aus Tonkarton gebastelt. Jetzt hängen sie sie in die etwa zehn Jahre alte Linde, bevor diese gleich in ein vorbereitetes Loch auf dem Schulhof gepflanzt werden wird und die Krone nicht mehr ohne Weiteres erreichbar wäre.

 Schüler und Lehrer freuen sich über die symbolträchtige Pflanze auf ihrem Schulhof.

Den Baum hat „MANN Naturenergie“ gestiftet (ebenso wie jenen für die „Stöffelmaus-Schule“). „Bewusst als Friedenslinde“, wie Geschäftsführer Markus Mann betont. Er hatte sich als Jurymitglied beim „Wäller Gartenpreis“ 2022 und 2023 engagiert und die Idee, den im letztjährigen Wettbewerb erfolgreichen Schulen solche symbolträchtigen Pflanzen zu schenken.

 Gar nicht so leicht, die Friedenslinde zu bewegen…

Darunter eben die IGS: Zwei Jahre in Folge (2022 und 2023) bewarb sie sich mit ihrem Schulgartenprojekt beim von der Westerwälder Regionalinitiative „Kräuterwind“ ins Leben gerufenen „Wäller Gartenpreis“ – und das siegreich: Im ersten Jahr zeichnete die Jury das Projekt bereits einmal aus. 2023 war die Konkurrenz durch üppigste Zier- und vielfältigste Naturgärten so groß, dass das Gremium befand, dass man die Beiträge von Kindergärten und Schulen eigentlich aus dem Gesamtfeld herausnehmen und fairerweise getrennt bewerten müsse. Den Fleißigen hinter drei Beiträgen, die den Juroren am besten gefielen, sagte „MANN Naturenergie“ daraufhin zu, ihnen jeweils eine große Friedenslinde fürs Schulgelände zu schenken.

Es ist allerdings nicht der erste Baum, den die Schüler in Selters erhalten: 2022 durften sie sich, ebenfalls von „MANN Naturenergie“ gesponsert, einen Obstbaum für ihren Schulgarten aussuchen; es wurde ein Apfelbaum. Er steht heute in dem 700 Quadratmeter großen Areal in Selters. Die Fläche dafür wurde den Schülern im Rahmen des Neubaus der IGS zur Verfügung gestellt.

 Viele Schüler helfen mit und treten den Baum gut fest.

2019 ging es in diesem IGS-Schulgarten los. Seither wird dort unter anderem Gemüse angebaut, es wachsen Wein, Erd- und Brombeeren, Kräuter und vieles mehr. „Aber bei uns wird nicht nur angebaut, sondern auch vermittelt, warum man das macht, wie man es macht,“ erläutert Lehrer Andreas Lief, der das Projekt betreut, den didaktischen Hintergrund. Inzwischen sei es so, dass regelmäßig Jahr für Jahr die fünften Klassen im Schulgarten aktiv sind und ebenso entsprechende Arbeitsgemeinschaften. Im Wahlpflichtfach Hauswirtschaft/Soziales sei Kochen ein Bestandteil, führt Lief aus. Die genaue Ausgestaltung des Unterrichtsinhaltes sei zwar lehrerabhängig, aber eine komplette Schulküche erlaube es, das selbstgeerntete Gemüse direkt zuzubereiten. „Teilweise wird das Gemüse auch direktvermarktet, an Lehrer oder Eltern verkauft, so dass nicht nur die Produktion im Vordergrund steht, sondern es ebenso darum geht, wie man das Gemüse verwertet“, fügt Lief hinzu.

„Die Menschen haben sich schon immer gekloppt und Kriege geführt – schon immer, leider! Und erst, wenn Frieden herrscht, erkennt man dessen Wert“, beschreibt Markus Mann während der Pflanzaktion den anwesenden Schülern, was er sich bei der Friedenslinde für den Schulhof gedacht hat. „So wurde anlässlich des Endes des Krieges 1870/71 – da haben wir Deutschen uns mit den Franzosen gekloppt – an vielen Orten Linden gepflanzt“, erklärt der Energiepionier aus Langenbach bei Kirburg. „Mich haben dann damals, als ich mit der Schule einen Ausflug gemacht habe nach Daun in der Eifel, riesige Bäume beeindruckt, die dort an der Jugendherberge neben einer alten Burg standen. Die stammten aus den besagten Jahren 1870/1871 und waren seinerzeit ebenfalls als Friedenslinden gepflanzt worden.“ Die Erinnerung daran sei für ihn immer imponierend gewesen, erstens aufgrund des Alters, das so ein Baum erreichen kann, „und ebenso wegen der Bedeutung hinter der Pflanzung“, ergänzt Mann. „Dass Russland den Angriffskrieg auf die Ukraine begonnen hat, tut richtig weh. Und deshalb wollen wir heute hier in Selters ein Zeichen setzen.“

 Die Friedenstauben wurden noch am Morgen im Religionsunterricht gebastelt.

Die Schüler scheinen den Gedankengang nachvollziehen zu können. Ohnehin sind sie nicht unvorbereitet zur Pflanzaktion gekommen: „Wir hatten zwar eigentlich gerade ein ganz anderes Thema“, schildert Marius Colloseus, „aber haben die Idee hinter der Friedenslinde spontan in den Unterricht aufgenommen. Es gibt aktuell genug Regionen auf der Erde, wo eben kein Frieden herrscht. Wir wollten ein bisschen Licht ins Dunkel bringen, dem Baum ‚Leben einhauchen‘ und die Friedenstauben einsetzen.“

Colloseus unterrichtet den katholischen Religionskurs der sechsten Klasse an der IGS. Seine Schüler, unterstreicht der Pädagoge, wüssten bestens Bescheid über das (unfriedliche) Weltgeschehen; die meisten Friedenswünsche der Kinder richteten sich an Israel, Gaza und die Ukraine – so, wie es auf den Tauben in der Baumkrone auch zum Ausdruck gebracht wird. Das aktuelle Geschehen bewege junge Menschen ebenfalls, bestätigt der Religions- und Englisch-Lehrer. Im Anschluss an die Pflanzung wolle er das Thema in der Klasse darum weiter vertiefen.

„Jaaaaa!“, nicken viele der Schüler, die bei der Baumpflanzaktion in erster Reihe dabei sind, mithelfen, die wuchtige Pflanze in das ausgehobene Loch zu bugsieren: einen Baum haben sie in ihrem Leben schon einmal gepflanzt – meist im elterlichen Garten. Manche der Kinder erzählen, dass sie Apfelbäume und andere Obstarten als Geschenk erhalten haben, oft zu einem Geburtstag. Alle finden es „cool“, dass nun ein wirklich schon recht großer neuer Baum den ansonsten eher grauen Schulhof mit frischem Grün ziert – und im Sommer sicher ein guter Schattenspender in mancher Pause sein wird.

„Es wäre schön, wenn ihr im heißen Sommer einen Blick auf euren Baum habt und der eine oder andere auch mal einen Eimer Wasser für ihn auskippt – denn gerade am Anfang hat der Baum es schwer, selbst Wasser auf so einer Fläche zu finden, wie sie hier auf dem Schulhof vorhanden ist“, gibt Markus Mann den Schülern mit auf den Weg und lässt den Blick über das graue Verbundsteinpflaster wandern.

Der Chef von „MANN Naturenergie“ ist merklich gerührt, dass die Schüler die Baumpflanzung so intensiv begleiten und mit ihrem eigenen Programm anreichern – von den gebastelten Tauben bis zu mehreren vorgetragenen Liedern, darunter das überaus passende „Friedensbaum-Lied“, geschrieben von Philipp Stegmüller: „Wir alle sind Kinder von einem großen Stamm/wie Blätter an einem alten Friedensbaum“, heißt es darin.

Der Religionskurs von Marius Colloseus hat außerdem einige Fürbitten vorbereitet, die die Kinder verlesen: „Ich wünsche mir, dass es keinen Krieg mehr gibt und keine Armut“, heißt eine davon. „Ich wünsche der Ukraine Frieden!“, eine andere. Oder: „Ich wünsche allen auf der ganzen Welt Frieden.“ Der Lindenbaum auf dem IGS-Schulhof wird die Schüler gewiss täglich daran erinnern, dass auch sie sich jeden Tag aktiv für den Frieden einsetzen können und sollten.

Uwe Schmalenbach

Holz bietet mehr Arbeitsplätze als Autobranche

Die GDL, die „Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer“ ist vermutlich nahezu jedem ein Begriff. Die GDL hat zwar lediglich rund 40.000 Mitglieder, jedoch trotzdem eine große Bekanntheit – spätestens, seit sie mit ihren jüngsten Streikmaßnahmen abermals den Alltag Zehntausender Pendler beträchtlich erschwert hat. Die AGDW, die „Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e.V.“, repräsentiert zwei Millionen Mitglieder, denen etwa zwei Drittel aller Waldflächen in Deutschland gehören und ist dennoch nahezu unbekannt. Ebenso wie die Tatsache, dass der „Cluster Holz“ in Deutschland eine enorme Wirtschaftskraft darstellt und mehr Arbeitsplätze bietet, als die Automobilindustrie.

 Die Nutzung von Holz (hier auf dem Rundholzplatz der „Westerwälder Holzpellets“) ist europaweit ein enorm bedeutsamer Wirtschaftsfaktor, wie die Studie zeigt.   Foto: Schmalenbach

Es ist eine wahrhaft ausführliche Betrachtung, die jedoch weitestgehend nur in Fachkreisen wahrgenommen wurde: Als in Wien im vergangenen Herbst die Studie „Forst- und Holzwirtschaft in Europa“ veröffentlicht wurde, berichteten darüber in Deutschland nicht die tagesaktuellen Mainstreammedien, sondern Fachpublikationen wie zum Beispiel das „Holz-Zentralblatt“, das aber gerade einmal 4.000 Abonnenten hat; ein sehr kleiner Kreis also.

Dabei betreffen die Daten der besagten Studie uns alle in vielfacher Hinsicht: Der Wald ist gut fürs Klima und ein Mittel gegen CO2, bietet Raum für Erholung und Entspannung, für Sport und Freizeit. Aber vor allen Dingen generiert die Forst- und Holzwirtschaft der Europäischen Union (EU) sowie Norwegens, der Schweiz und Großbritanniens 527 Milliarden Euro Wertschöpfung im Jahr, wie die Studie darlegt!

In der besagten Untersuchung, die formal den sperrigen Titel „Economic Impact of the Forestry and Wood Industry in Europe in terms of the Bioeconomy“ trägt, kommt überdeutlich zum Ausdruck, dass die Forst- und Holzwirtschaft eine erheblich größere wirtschaftliche Bedeutung hat, als gemeinhin angenommen wird. Es ist im Durchschnitt der 30 untersuchten europäischen Staaten jeder 16. Euro, der unmittelbar oder mittelbar aus diesem Wirtschaftszweig stammt.

Geht es im politischen Diskurs um den Zustand und die Transformation der heimischen Wirtschaft, werden in Deutschland dabei in der jüngeren Vergangenheit vermehrt Branchen wie die Chemie und immer wieder der Automobilbau und deren Erfordernisse (Stichwort Industrie-Strompreis) in den Fokus genommen. Allerdings gibt es in der Automobilindustrie (im Jahresdurchschnitt 2021, laut Bundeswirtschaftsministerium) 786.109 Beschäftigte, die Forst- und Holzwirtschaft bietet hierzulande laut besagter Studie jedoch über 1,3 Millionen Arbeitsplätze. Der (Inlands-)Umsatz der Automobilindustrie betrug 2021 knapp 136 Milliarden Euro, der des Clusters Holz 2022 lag bei über 188 Milliarden Euro. Stolze sechs Prozent unserer nationalen Wirtschaftsleistung kamen aus dem Segment, wie „Forst- und Holzwirtschaft in Europa“ darlegt.

Was aber könnte bloß der Grund dafür sein, dass die wirtschaftliche Bedeutung des Clusters Holz in der Bevölkerung und bei manchen Institutionen wie Teilen der Politik augenscheinlich nicht entsprechend im Bewusstsein ist und/oder wertgeschätzt wird? Und was müsste passieren, damit diese etwa bei den vermehrt aufkeimenden Diskussionen um die (Fort-) Nutzung des Wirtschaftswaldes Berücksichtigung fände?

Hierzu hätte die „Wäller Energiezeitung“ gerne die Meinung von Verbänden gehört, die die Forstwirtschaft vertreten und Lobbyarbeit „pro Waldnutzung“ machen sollen. Doch trotz mehrwöchiger Bemühungen gelang es der Redaktion nicht, dazu ein Statement von Organisationen wie beispielsweise der AGDW oder des gleichermaßen kontaktierten „Waldbesitzerverbandes für Rheinland-Pfalz e. V.“ zu bekommen.

Yonne-Ina Feldger

Eine fließende Lebensader der Natur

Am Ortsrand von Stein-Wingert, auf einer kleinen Anhöhe, liegt der Friedhof des 200-Seelen-Dorfes, und ein Wanderparkplatz gleich daneben. 30 Meter unterhalb, am Fuß der von dort steil abfallenden Böschung, strömt die Nister vorbei auf ihrem knapp 64 Kilometer langen Weg vom Berg „Fuchskaute“ in die Sieg. In dem für den Westerwald charakteristischen Fließgewässer steht an diesem Morgen Manfred Fetthauer, gemeinsam mit PD Dr. Carola Winkelmann, knietief in den Fluten – und angelt auf besondere Weise.

 Ein wichtiges Motiv für die Gründung der „ARGE Nister“ sei der Wunsch gewesen, den Lachs wieder heimisch werden zu lassen im Westerwald, erzählt Manfred Fetthauer, hier mit PD Dr. Carola Winkelmann beim Elektroangeln.   Fotos: Schmalenbach

Nein, der Kormoran und Manfred Fetthauer werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr. Dabei geht es dem Vorsitzenden der „Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Nister“ nicht um Sympathie oder Antipathie. Vielmehr bemängelt er, dass eine größere Anzahl des schwarzen Vogels die Nister leerfische, dass solcherlei an vielen Orten in Deutschland passiere, der Kormoran zuweilen aber sogar im Rahmen von sogenannten „Naturschutzprojekten“ eigens angesiedelt werde. Der gebürtige Stein-Wingerter kritisiert kopfschüttelnd, dass man „Naturschutz in Deutschland oft nur bis zur Wasseroberfläche“ denke, wie er das formuliert.

Der Gründer der ARGE beschäftigt sich seit bald drei Jahrzehnten mit dem, was im Wasser und im Flussbett passiert, was da lebt oder nicht lebt und welchen Einfluss das aufs gesamte Ökosystem hat. Um darüber Erkenntnisse zu gewinnen, führt er zum Beispiel Maßnahmen wie das besagte Angeln mit PD Dr. Carola Winkelmann durch, die die „AG Fließgewässerökologie“ an der Universität Koblenz leitet: Mit einer Elektroangel treiben die beiden Wissbegierigen einige Minuten lang mithilfe eines Magnetfeldes alles an Fischen in einem Kescher zusammen, was einige Meter um sie herum bei Stein-Wingert in der Nister schwimmt.

„Das ist die Nase. Das ist der wichtigste Fisch hier. Dieser karpfenartige Fisch heißt Nase, weil er hier wirklich so eine kleine Stupsnase hat. Und das Wesentliche ist diese verhornte Unterlippe: Damit kratzt die Nase die Algen von den Steinen ab, wie ein Hobel“, erläutert Carola Winkelmann, während sie ein eingefangenes Exemplar in den Händen hält. Werde die Nase dezimiert, breiteten sich Algen ungehemmt aus – der Sauerstoffgehalt im Fluss sinke.

Die Ausbeute beim Elektroangeln ist an diesem Morgen überaus erfreulich, wie die Gewässerkundler am Ufer feststellen: Nicht allein, dass ein großer gelber Eimer nach wenigen Minuten fast voll geworden ist. Unter den ausschließlich zum Zwecke der Bestandskontrolle und Bestimmung vorübergehend eingefangenen Tiere ist sogar ein winzig kleiner Lachs! Ein riesiger Erfolg, denn die Lachs(wieder)ansiedlung in der Nister ist eines der ARGE-Projekte.

Gleichwohl weisen drei der größeren Fische im Eimer Verletzungen auf, die, da ist der Experte sicher, ihm der Kormoran auf einem Beutezug durch Krallen oder Schnabel beigebracht haben muss: „Die verletzten Stellen der Fische verpilzen, wenn es jetzt wieder wärmer wird, und bald darauf sterben sie“, legt Manfred Fetthauer die Stirn in Falten.

Gerade im Winter werden die Fischbestände in der Nister von ihren natürlichen Räubern „übernutzt“, wie die Wissenschaft das nennt. Denn in der kalten Jahreszeit drängen die Fische dichter aneinander und haben einen reduzierten Stoffwechsel – und sind somit eine besonders leichte Beute für Fischfresser. „Aber auch die Folgen des Klimawandels wirken sich negativ auf die Gewässerqualität aus. In Zukunft müssen beim Gewässerschutz also neben Verbau und Nährstoffeinträgen aus Landwirtschaft und Kläranlagen auch der erhöhte Fraßdruck auf Fische und die Klimawandelfolgen bedacht werden, um den ökologischen Zustand der Nister weiter zu verbessern. Nur so sind auch die engagierten Ziele der EU zu erreichen, Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen der Gewässer wie zum Beispiel die Selbstreinigungskraft zu erhalten“, betont Carola Winkelmann.

Während die Privatdozentin den Fang behutsam, Fisch für Fisch wieder in die Nister und damit unversehrt in die Freiheit entlässt, schildert Manfred Fetthauer, warum er sich über den eben betrachteten Lachs so freut: „Der Lachs war bis etwa 1900 ein Grundnahrungsmittel. Der letzte wurde hier an der Nister Heiligabend 1924 gefangen. Genau an derselben Stelle hatten wir 76 Jahre später wieder Lachs!“ Seit 20 Jahren betreiben Manfred Fetthauer und die „ARGE Nister“ seine Wiederansiedlung. Die jedoch sei mühsam und zäh – der Kormoran frisst eben auch gerne Lachs.

 Die Renaturierung der Nister und der Aufbau einer ökologisch hochwertigen Artengemeinschaft sind das vorrangige Ziel der „ARGE Nister“. Auch ein intaktes Kiesbett ist dabei wichtig.

Alles in allem, daran lässt der in Stein-Wingert Lebende keinen Zweifel, stehe es um die Artenvielfalt in unseren Flüssen und Bächen ohnehin nicht zum Besten. Er verweist auf zahlreiche Studien, die die Situation, auch außerhalb des Westerwaldes, als dramatisch darstellen: So hat zum Beispiel erst im vergangenen Januar das Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) berichtet, dass die Forelle auf die Liste der in Deutschland gefährdeten Fische gesetzt worden ist – zum ersten Mal überhaupt. Insgesamt gelten dem Institut zufolge sogar schon mehr als die Hälfte aller einheimischen Arten als gefährdet – oder sind bereits ausgestorben!

Fragt man nach den Ursachen für diese beklagenswerte Entwicklung, verweist Fischexperte Dr. Christian Wolter vom IGB auf den Verlust von Lebensräumen durch Gewässerverbauung und -verschmutzung sowie die Folgen des Klimawandels. Ein ebenso negatives Bild gibt die „Rote Liste“ des Bundesamtes für Naturschutz wieder. Sie führt 38 Süßwasserfischarten in unserem Land als bestandsgefährdet auf – nach „nur“ 22 im Jahr 2009.

„Obwohl die Nister schon in den 1970er-Jahren ausgebaut und damit stark verändert wurde, begannen die richtigen Probleme hier erst in den späten 1990ern. Das Ökosystem drohte umzukippen, da Algenmassenentwicklungen die Lebensbedingungen für alle Gewässerbewohner dramatisch verschlechterten. Seitdem kämpfen wir für die Nister – in den letzten Jahren mit intensiver Unterstützung der Wissenschaft. Das hilft enorm, denn im Gewässerschutz hängt alles mit allem zusammen“, sagt Manfred Fetthauer.

Und er sagt ebenso, dass manchen Naturschützern beziehungsweise einigen Naturschutzorganisationen die Bedeutung der Fischarten und deren Vielfalt für das Ökosystem Fluss nicht bewusst sei. Oder dieser Zusammenhang mitunter sogar aus ideologischen Gründen bewusst ausgeblendet werde. „Dabei sind das Systeme, die sich über Jahrtausende aufgebaut haben. Das Ökosystem Fließgewässer ist eine Lebensader in der Natur.“ Diese helfe sogar, so Fetthauer weiter, Schadstoffe wie Nitrate aus der Landwirtschaft oder Medikamentenrückstände abzubauen. Eine intakte Sauerstoffversorgung im Wasser sei wichtig fürs Grundwasser und vieles mehr.

Das Bundesnaturschutzgesetz betont in seinem ersten Paragraphen unter der Ziffer 3 gleichermaßen: „Zur dauerhaften Sicherung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts sind insbesondere (…) Meeres- und Binnengewässer vor Beeinträchtigungen zu bewahren und ihre natürliche Selbstreinigungsfähigkeit und Dynamik zu erhalten; dies gilt insbesondere für natürliche und naturnahe Gewässer einschließlich ihrer Ufer, Auen und sonstigen Rückhalteflächen (…)“

Die Forscher der Universität Koblenz vermochten ihrerseits nachzuweisen, dass gesunde Fischbestände, insbesondere die Arten Nase und Döbel, die Gewässerqualität maßgeblich verbessern können.

„Ich bin hier groß geworden. Aus meinem Schlafzimmerfenster in meinem Elternhaus konnte ich auf den Fluss gucken“, erzählt Manfred Fetthauer, am Ufer desselben stehend. „Jeden Tag, oder spätestens jeden zweiten Tag waren wir im Wasser.“

 In diesem Bereich müssten, wenn sie ihre Winterquartiere verlassen und wieder in andere Abschnitte des Flusses schwimmen, in einer intakten Nister gut 20 Arten in ausreichender Zahl leben.

Mit vier oder fünf Jahren habe er gewusst: „Unter diesem Stein ist eine Forelle, unter jenem Stein ist eine Forelle. Ich ‚rieche‘ inzwischen den Zustand der Nister – man bekommt eine Verbindung, ein Empfinden dafür.“ Fetthauer berichtet von einem Spaziergang mit seiner Frau, vier oder fünf Jahre müsse der nun zurückliegen. Das Paar war an einem Samstag nahe der Abtei Marienstatt unterwegs, wo der Fluss sieben, acht Kilometer entfernt von Stein-Wingert vorbeifließt. „Ich sagte zu meiner Frau: ‚Ich rieche es, mit der Nister stimmt etwas nicht!‘“ Die Gattin habe geantwortet: „Ach, was du immer hast!“ Wieder daheim, holte der Gewässerforscher sein Messgerät, bestimmte anschließend den elektrischen Leitwert des Wassers, der, wie er ausführt, normalerweise um 250 liege, doch an jenem Samstag bei über 400… Er fuhr den Fuss ab und fand als Ursache ein übergelaufenes Überlaufbecken einer Kläranlage.

Einst war Manfred Fetthauer Servicetechniker bei der „Telekom“. Kurz vor dem Renteneintritt hatte er ein mit 1.800 Überstunden gefülltes Arbeitszeitkonto. Zwischen Rhein und Sieg war der Westerwälder in seinem Job viele Jahre unterwegs, „und wenn man irgendwo über eine Brücke fährt und sieht unten keine Fische mehr: Dann muss ich mich fragen, warum keine mehr da sind!“

Wenn man der Natur verbunden sei, müsse man daraufhin etwas tun, erklärt der ARGE-Vorsitzende, woher er, trotz mancher Rückschläge, in all den Jahren seine Motivation für die ehrenamtliche Arbeit beziehe. Die Verleihung des Gewässerentwicklungspreises sei da ein aktueller Antrieb, sich weiter für intakte Systeme in der Nister, einigen ihrer Nebenflüsse oder auch der Wied einzusetzen.

Uwe Schmalenbach

Dazu da, um die Gesetze passend zu machen

Von „MANN Naturenergie“ habe sie schon oft gehört, berichtet Katrin Eder schmunzelnd. Das Unternehmen im Westerwald, das sich mit erneuerbaren Energien befasst, „musst du dir einmal ansehen“, habe man ihr empfohlen, schildert die rheinland-pfälzische Umweltministerin (Bündnis 90/Grüne) weiter, während sie mit Markus Mann und einigen seiner leitenden Angestellten zum Meinungsaustausch in der Alten Schule am Firmensitz Langenbach zusammentrifft.

 Trotz des beim Besuch wirklich recht ungemütlichen Wetters möchte sich Katrin Eder (dritte von links) den Langenbacher Betrieb ansehen.   Fotos: Schmalenbach

Wie es sich für eine Umweltministerin heutzutage geziemt, ist Eder dort in einem Elektroauto vorgefahren. Sie sei indessen das erste Mitglied der Mainzer Landesregierung gewesen, das einen vollelektrischen Pkw nutzt, so die Politikerin. Und schon entspinnt sich eine lebhafte Diskussion rund um die kleinen und großen Hürden der Energiewende, Erfahrungen mit dem Netz der Ladestationen oder den Reichweiten im Winter, die die zur MANN-Gruppe gehörenden „Westerwälder Holzpellets“ (WWP) bislang im Schwerlastverkehr gemacht haben. Denn die WWP nutzen inzwischen für sieben von zwölf ihrer Lkw vollelektrische Modelle (die „Wäller Energiezeitung“ berichtete).

Die Ministerin ist sehr interessiert an der Frage, woher die WWP das Holz, den nachwachsenden Rohstoff für ihr Sägewerk beziehen können und wie die Situation der Wälder im Westerwald oder dem benachbarten Sauer- und Siegerland ist. Markus Mann erläutert, dass das Holz zukünftig von weiter weg kommen müsse, da die heimischen Wälder im Prinzip tot seien. Und dass sein Unternehmen darum ambitionierte Bahnpläne verfolge, bei denen eine alte Trasse der „Westerwaldbahn“ dereinst für den Rundholztransport zum Werk in Langenbach bei Kirburg genutzt werden solle, jedoch einige wenige Kommunalpolitiker dagegen kämpfen würden (die „Wäller Energiezeitung“ berichtete).

Ob es ihr Politikstil, eine Seite ihrer Persönlichkeit, die gereifte Einsicht, dass Politik besser vermittelt werden muss, als das speziell die Grünen (auf Bundesebene) zuletzt vermocht haben, oder eine Mischung aus allen Aspekten ist? Wie auch immer die Antwort lautet, fällt bei allen zwischen der Ministerin und dem Energiepionier diskutierten Themen auf, dass Katrin Eder recht viel nachfragt. „Was meinen Sie, woran das liegt?“ „Woran hängt es?“ „Was müssen wir ändern? Wir sind in der Politik dazu da, die Gesetze passend zu machen.“ Solche und ähnliche Sätze fallen an diesem frühen Nachmittag vielfach. Eder macht sich unterdessen viele Notizen zu den Dingen, die sie beim Besuch von „MANN Naturenergie“ erfährt (siehe dazu auch das Interview auf den Seiten 4 bis 6 in der neuen „Wäller Energiezeitung“-KOMPAKT).

 Während des Austauschs in der Alten Schule stellt die Grünen-Politikerin (rechts) häufig Rückfragen.

Mann und seine Mitarbeiter führen unter anderem das Beispiel des Zubaus von Photovoltaik im Arealnetz des Unternehmens an. Dabei werde man mit Problemen konfrontiert wie dem Hemmnis, dass das sogenannte „Insel-Netz“ der Firma jedes Mal von neuem zertifiziert werden müsse (was mit erheblichen Kosten und Verzögerungen verbunden ist), wenn auf einer freien Dachfläche auch nur zehn Kilowatt zusätzliche Leistung durch Solarmodule installiert werden sollen. „Jetzt erklären Sie mir das nochmal“, sagt Katrin Eder abermals. Und scheint tatsächlich überrascht zu sein, dass solche und ähnliche Beschwernisse all jenen Unternehmen zu schaffen machen, die bereits versuchen, in ihrem eigenen Verantwortungsbereich verstärkt erneuerbare Energien einzusetzen.

Bei allen problematischen Punkten kann die Umweltministerin des Landes auch positive Beobachtungen darlegen. Etwa von einer Akzeptanzstudie, die ihr Ministerium hat durchführen lassen. Demnach habe die große Mehrheit der Rheinland-Pfälzer (69 Prozent) keine Angst mehr vor gehäuften Stromausfällen durch immer mehr Ökostrom in den Netzen. So jedenfalls die Studie, die das Landesumweltministerium in Auftrag gegeben hat und für die die „Forsa Politik- und Sozialforschung GmbH“ vom 3. bis zum 26. Mai 2023 rund 2.500 Rheinland-Pfälzer über 18 Jahre befragt hat.

 Die Umweltministerin zückt das Handy und hält zahlreiche Eindrücke des Besuchs bei den „Westerwälder Holzpellets“ (WWP) fotografisch fest.

2019 war Katrin Eder noch Umwelt- und Verkehrsdezernentin der Landeshauptstadt. Während des sich an die Diskussion in der Alten Schule anschließenden Betriebsrundgangs erzählt sie davon, wie sie seinerzeit die Einführung des ersten vollelektrischen Müllwagens in Mainz begleitet habe. Kurz darauf bleibt sie, an einem ebenso elektrisch angetriebenen Nutzfahrzeug, stehen, zückt das Smartphone und fotografiert einen der nagelneuen „Volvo Electric“ des Langenbacher Energieversorgers WWP.

Schon seit der ersten „Windmühle“, die Markus Mann vor fast 33 Jahren in seinem Heimatdorf aufstellen ließ, gab es dort stets etwas Neues, Ungewöhnliches, zuweilen Experimentelles zu sehen, das immer mit „grüner“ Energie und der Energiewende zu tun hatte. Und das dem Anschein nach selbst eine Fachpolitikerin wie die Umweltministerin des Landes zuvor noch nicht in der praktischen Anwendung betrachten konnte.

Nach einigen weiteren Fotos wie jenen von den vertikal montierten Photovoltaik-Modulen, die in kreisrunder Anordnung an den großen WWP-Pelletsilos hängen, ist die Besuchszeit um, der Dienstwagen Katrin Eders unterdessen mit „MANN Strom“ wieder aufgetankt und bereit für die Weiterfahrt zum Anschlusstermin, bei dem es um die Landwirtschaft gehen soll.

Zwei Stunden danach sind bereits die nächsten Besucher in Langenbach angekündigt: Eine Gruppe der CDU will ebenso erfahren, wie Markus Mann und sein Team an der Energiewende im eigenen Bereich arbeiten; und dabei manche Lösung erproben, die auch im großen Stil eingesetzt werden könnte.

Uwe Schmalenbach

Wäller Energiezeitung kompakt SPEZIAL: Rundholz auf die Bahn

Markus Mann beobachtet einen LKW voll Rundholz, der vom Bahnhof Rosenheimer Lay aus Richtung Langenbach unterwegs ist und am Ortseingang von Elkenroth genau jene Bahntrasse kreuzt, die die “Westerwälder Holzpellets” anstatt der Straße nutzen möchten.

Liebe Leserinnen und Leser,

die heutige „Wäller Energiezeitung“-KOMPAKT ist ein „Spezial“. Die Ausgabe widmet sich der Aufklärung rund um die Bahnanbindung eines Industriebetriebes, der Holzrohstoffe zu Endprodukten für den regionalen Verbrauch verarbeitet. Da doch vielerlei Nebelschwaden um das Thema wabern und so manche Sagen und Märchen gedichtet werden, möchten wir aufklären zu den Hintergründen.

Laden Sie sich die Ausgabe hier als PDF herunter oder lesen Sie sie direkt im Browser.

Energiegipfel 2018

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Langenbach/Ww – CH-Anzère. Der Westerwälder Ökounternehmer und Hobby Alpinist Markus Mann aus Langenbach steigt in diesem Jahr ganz hoch hinaus. Seiner Einladung zur Teilnahme an einer ganz besonderen Wachrüttelaktion gegen den Klimawandel sind 50 Aktivisten und Köpfe der europäischen Holzpellet-Branche in die Walliser Alpen gefolgt. 

Es ist ein außergewöhnlicher Energiegipfel! Unter dem Slogan „Wood Pellets against climate change“ wird auf der 3.000 Meter-Gletscherlinie des Wildhorns eine Hochwassermarkierung fixiert. Mit der Aktion möchte man auf die verschlafene Energiewende im Heizungskeller aufmerksam machen und auf die Notwendigkeit der Gebäudesanierung und Nutzung nachwachwachsender Brennstoffe hinweisen. 

Eine Hochwassermarkierung? Ja, denn das Schmelzen der Gletscher bedeutet ein Ansteigen der Meeresspiegel. Im Prinzip sind es kommunizierende Gefäße.

Als spezielle Gäste steigen 2 junge Männer von „Plant for the Planet“ mit auf den Gipfel. Der Gründer der Organisation hatte erst kürzlich mit nur 21 Jahren das Bundesverdienstkreuz von Bundespräsident Steinmeier überreicht bekommen. Die beiden jungen Männer aus Hamburg und Filderstadt sind Botschafter der weltweiten Organisation und werben für die nachhaltige und effiziente Holznutzung. www.plant-for-the-planet.de

Vor Ort erklären der Schweizer Glaziologe Amédeé Zryd und der Buchautor / Fotograf Hilaire Dumoulin die Veränderungen und Gefahren durch den Verlust an „ewigem Eis“.

Doch nicht nur die dramatische und schnelle Veränderung der Alpen kann man vor Ort sehen, sondern auch positive Beispiele und Initiativen, die die Energiewende tatkräftig begehen. So hat das Feriendorf Anzère im Wallis mit großen Schritten die Wende vollzogen. Von insgesamt 8.000 Betten sind mehr als 4.000 Übernachtungsstätten inzwischen an das mit Holzpellets befeuerte Fernwärmenetz angeschlossen. 52 Liegenschaften inklusive einem Spa & Wellness-Center erhalten ganzjährig lokale Wärmeenergie und sorgen für Beschäftigung und Wertschöpfung vor Ort. Ganz nebenbei erspart man der Atmosphäre mehr als 3.000 to CO2 pro Jahr.

Ausgangsort für den Gipfelsturm ist die Cabanne des Audannes. Eine Vereinshütte von lokalen Bergfreunden. Die Hütte bietet Übernachtungsmöglichkeiten für bis zu 60 Personen und wurde zuletzt im Jahr 2015 durch eine Mini-Wasserkraftanlage autonom von fossiler Energie. Das Projekt wurde von MANN Strom, dem Hüttenverein sowie dem Grüner Strom Label e.V. aus Bonn finanziert und umgesetzt.

Unterstützt wird die Aktion von allen namhaften europäischen Verbänden zur effizienten Biomassenutzung.

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Weitere Infos und das Programm unter:

https://www.mann-energie.de/pellet-summit-2018-german/

Ein Gipfel für erneuerbare Energie

Der Weg ist das Ziel. Dieses Motto gilt bei alpinen Wanderungen genauso wie bei der Energiewende. Für den Westerwälder Unternehmer Markus Mann dauert dieser Weg bereits mehr als zwei Jahrzehnte. 1991 baute Mann das erste kommerziell betriebene Windrad in Rheinland- Pfalz – und in der alpinen Landschaft ist der Energiewende-Pionier noch länger unterwegs. Auch sein Projekt „Energiegipfel“ hat eine lange Vorgeschichte.

Als Mann oben auf dem Bishorn steht, geht das Strahlen eines Jungen über das Gesicht des Langenbachers. Die Sonne steht hoch über den Alpen im französischsprachigen Teil der Schweiz. 4135 Meter über dem Meer lächelt Mann mit der Sonne in die Bergwelt. Es ist kurz vor Mittag, als die letzten Expediteure ihren persönlichen Energiegipfel erreichen. „Das Bishorn ist keiner der ganz schweren 4000- er“, sagt Mann. Er ist dennoch stolz auf die Gruppe. „Ich habe ja auch vorher ein bisschen gezittert, das sind ja nicht gerade alles Leistungssportler.“ Der Jüngste in der Gruppe ist 26 Jahre alt, der Älteste zählt 67 Lenze. „Nicht jeder von uns ist eine Gams“, sagt der Westerwälder lachend. Es sind Leute wie er, die sich für die Energiewende einsetzen, die nachhaltige Energie produzieren und verbrauchen wollen. Gut 50 Personen aus neun Ländern haben sich dem Projekt angeschlossen. Die meisten stehen mit einem strahlenden Lächeln auf dem Gipfel des Bishorns und schauen in eine faszinierende Landschaft aus schneebedeckten Berggipfeln, Geröll, Eis und Gletschern, die von einem azurblauen Himmel umrahmt werden. Es ist ein Vormittag für Postkartenfotos.

Ein zukunftsweisendes Nahwärmekonzept im Wallis
Für Markus Mann und sein Westerwälder Unternehmen schließt sich an diesem Tag ein Kreis. Seit vielen Jahren ist seine Familie Stammgast im Wallis, sie ist Teil des kleinen Dorfes Anzère geworden, das auf einer sonnigen Terrasse auf 1500 Metern hoch über dem Rhonetal liegt. Über die Jahre sind die Manns immer mehr in die Dorfgemeinschaft integriert worden. Im Urlaub erfuhr der Westerwälder davon, dass 20 alte dezentrale Heizungsanlagen im Ort ausgetauscht werden sollten. „Die Anlagen sollten gegen neue Ölheizungen ausgewechselt werden – und das im Wasserschutzgebiet, wo 180 Lkw-Ladungen Heizöl hochgefahren wurden“, erinnert sich der 46-Jährige. „Es ging um einen Verbrauch von jährlich 1 bis 1,8 Millionen Liter Heizöl.“
Für einem Unternehmer, der sein Geld mit Pellets, Ökostrom, Biomasse, Wind- und Wasserkraft verdient, war diese Vorstellung ein absolutes Unding. „Wir haben einige Gespräche geführt“, sagt er. Über Alternativen zum Öl wie Hackschnitzel oder Pellets. Letztlich entstand daraus im Jahr 2010 die Gründung der Chauffage Bois- Energie Anzère, die heute das größte Holzpellets-Nahwärmenetz in Zentraleuropa betreibt.
8,3 Millionen Franken wurden investiert, um in Anzère ein Nahwärmenetz mit einer Gesamtleistung von 6,5 Megawatt zu errichten. An das Netz wurden per Fernwärme 15 Gebäude mit 600 Wohnungen, ein Hotel und ein Wellness- Center angeschlossen – 2013 kamen 25 weitere Gebäude dazu. Eigentümer des Netzes sind über ihre Aktienanteile zu 47 Prozent die Immobilienbesitzer vor Ort, die übrigen 53 Prozent hält die Mann Energie Suisse.
Für Anzère bedeutete diese Investition einen zukunftsgerichteten Mehrwert, denn in der Region sollte das Nahwärmenetz nicht das einzige Projekt mit einem nachhaltigen Konzept bleiben. „Mein Partner und Bauleiter im Wallis hat sich von der Idee infizieren lassen“, erinnert sich Markus Mann. Als es darum ging, eine der höchstgelegenen Berghütten Europas mit einer neuen Heizung auszurüsten, kam das Gespräch auf eine Pelletsvariante für die Cabane de Tracuit am Tracuitgletscher. Auf 3256 Meter Höhe bietet diese beliebte Hütte im Wallis 120 Plätze für Bergtouristen. Um diese neue Heizungsanlage offiziell einzuweihen, organisierte Mann den Energiegipfel 2013 – und die ersten zehn Tonnen Pellets brachten die Teilnehmer gleich als Gastgeschenk mit. Also genug Heizmaterial, um etwa zwei Jahre lang Wärme in der Hütte am Gletscher zu haben.
Es ist ein stimmiges Gesamtbild, das sich für Markus Mann an diesem Tag auf dem Bishorn abrundet. Drei Jahre zuvor hat der Westerwälder damit begonnen, sich als Energieunternehmer in der Region nachhaltig einzubringen. Jetzt steht er mit Expeditionsteilnehmern aus ganz Europa und Argentinien auf dem Gipfel. Der Energieminister des Wallis hat der Delegation am Vortag bei der Besichtigung der neuen Heizzentrale in Anzère einen Besuch abgestattet, mit auf den Berg wollte er allerdings nicht.

Den Weg auf den Berg nehmen wie eine Ladung Pellets
Manns Ziel ist es, beim Energiegipfel den gleichen Weg aus Zinnal tief unten im Tal hinaufzusteigen, den auch die Pellets per Hubschrauber nehmen. Aus 1650 Meter Höhe hinaufzusteigen zur Tracuithütte und von dort weiter aufs Bishorn, einen der höchsten Gipfel der Schweiz. „Wir haben die Seilschaften nach dem Fitnessgrad zusammengestellt“, sagt Mann am Mittag zufrieden, „und das hat super funktioniert.“
Zehn Bergführer leiten die Gruppe auf den Berg, während ein Kamerateam sich mit dem rot-weißen Helikopter auf den Weg durch die bizarre und bezaubernde Bergwelt macht, um die Delegation auf dem Weg zum Energiegipfel filmisch zu begleiten. „Mein Puls war schon in der Nacht auf der Hütte richtig hoch“, sagt Mann. Die Höhe von mehr als 3200 Metern hat nur eine kurze Nachtruhe zugelassen, bevor es morgens um 5 Uhr vom Tracuitgletscher auf den Berg ging. Nur für die Bergführer, zehn routinierte einheimische Jungs, Kenner all der fantastischen Gipfel ringsherum, ist der Weg aufs Bishorn gewohnt. Die anderen haben sich stramm heraufgearbeitet. „Aber mit einem mächtigen Spaß“, sagt Mann. „Es ist nur ganz schön frisch hier oben.“
Während die Gruppe kurz den Blick aufs Panorama genießt und sich dann auf den Abstieg zur Berghütte am Tracuitgletscher macht, packt einer der Bergführer einen Gleitschirm aus dem Rucksack und nutzt den Aufwind, um durch die gigantische Landschaft hinab nach Zinnal zu fliegen. Expeditionsleiter Mann schaut dem Gleitschirm lächelnd hinterher, er weiß schließlich, dass nach dem Energiegipfel ein erster kleiner kulinarischer Gipfel folgt: ein Käsefondue auf der Berghütte, das Kraft für den Abstieg ins Tal gibt und Wärme in den müden Körper bringt.
Für den Westerwälder ist der sportliche Ausflug ins Wallis ein Moment, das weit über das Erlebnis hinauswirkt. Der Energiegipfel soll darauf aufmerksam machen, dass die Energiewende an fast jedem Ort und in fast jeder Höhe möglich ist. „Man muss Ideen haben und sich Ziele setzen“, sagt er. So lassen sich auch hohe Gipfel erklimmen.
Volker Boch 

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Für die Bioenergie ist kein Gipfel zu hoch!

Am Wochenende kämpften 47 Vertreter der Pelletbranche für deren Passion.

Aus 9 Ländern angereist, sollte es eine ganz besondere Aktion werden. Initiiert von Markus Mann aus Langenbach im Westerwald, zog die Karawane begleitet von einem Lastenmuli von Zinal im Wallis (1.650 Meter zur neu errichteten Berghütte Cabane de Tracuit hinauf (3.256 Meter). Tags drauf sogar noch auf das Bishorn mit über 4.153 Meter zur Flaggenparade.

Aus Überzeugung und Begeisterung vom vermutlich weltweit höchsten Standort einer Pelletzentralheizung, hatte sich die Gruppe von Unternehmern, Ingenieuren und Kaufleuten ein hohes Ziel gesetzt und gleichzeitig ein Geschenk mitgebracht. Brennstoff für 2 Jahre Hüttenwirtschaft auf der neuen hochmodernen Cabane de Tracuit sollte das Mitbringsel sein.

Der Gipfel vom Gipfel war der Aufstieg zum Bishorn. Begleitet von 10 Bergführern wurde die Truppe über den westlichen Tracuitgletscher aufs Bishorn geführt. Mit Stirnlampen ausgerüstet stolperte man ab 05:30 zunächst durch die Felsen bis zum Gletscher. Dort wurden dann Seilschaften gebildet und die erfahrenen Bergführer begleiteten die Truppe sicher zwischen Spalten hindurch. Von einem grandiosen Sonnenaufgang auf halber Höhe zum Gipfel wurde man belohnt.

Die letzten Meter zum Gipfel wurden dann noch mal kniffelig und man erfreute sich an guten Steigeisen, Seil und Pickel, die als nützlicher und sinnvoller Ausrüstungsgegenstand erwiesen. Plötzlich kam etwas Hektik auf. Um 10:30 sollte der Hubschrauber mit dem Kamerateam vom SWR und der Werbeagentur da sein. Die Teilnehmer hatten jeweils deren Firmenflagge und Landesfahne mitgebraucht. Bei Wind und Kälte war der Versuch ein gutes Bild abzugeben gar nicht so einfach. Es gelang schlussendlich doch noch rechtzeitig, während ein Teil der Gruppe direkt am Gipfel verharrte, zeigte sich der Rest mit fröhlichen Gesten dem Hubschrauberteam von Air-Glacier.

Von wegen, wenn man erst mal oben ist...! Jetzt kam erst die richtig anstrengende Phase. Der Abstieg von 4.153 Meter ins Tal nach Zinal (1.650 Meter). Mit jeden 100 Höhenmetern wurden die Beine weicher, die Blasen größer und nicht wenige Zehennägel blau.

Gegen 18:00 Uhr war die Mannschaft nach rund 12,5 Stunden wieder komplett und überglücklich angekommen.

Ziele vom Energiegipfel:

Symbolischer Akt: Die Branche besucht die Heizung an einem außerordentlichen Standort und möchte Aufmerksamkeit auf diese saubere und nachhaltige Wärmeerzeugung ziehen. Während es vor 12 Jahren nur eine Hand voll Pelletproduktionsstätten in Europa gab und der Brennstoff nahezu unbekannt bei den Verbrauchern war. Hat sich inzwischen einiges getan. Von 1.000 „Heizern“ in Deutschland ist die Zahl der Kunden auf inzwischen rund 300.000 gestiegen.

„Pellets funktionieren fast an jedem Ort und sind lokal verfügbar.“ Mit dieser Botschaft eröffnete und schloss der Initiator der Aktion – Markus Mann – die Veranstaltung.

Die Vertreter der Branche (Pelletproduzenten, Maschinenbauer, Contracting-Unternehmer, Verbandsvorsitzende und Pellethändler) haben sich nicht nur zu einem symbolischen Akt getroffen sondern diskutierten 3 Tage lang über die Zukunft des Brennstoffes und dessen technischen und volkswirtschaftlichen Herausforderungen. Angereist aus ganz Europa und sogar aus Argentinien, fand ein intensiver Erfahrungsaustausch zwischen den Familienunternehmern statt. Themen wie Laufleistung von Maschinen, Trocknungsverfahren, Energieeffizienz in der Produktion, Logistiklösungen aber auch Rohstoffverfügbarkeit und Zertifizierungsverfahren für nachhaltige Holzpellets wurden diskutiert.

MANN Energie-Projekt erhält Zurich-Klimapreis

Die Holz-Heizzentrale von Anzère hat den Klimapreis der Zurich-Versicherung für das Marktgebiet Romandie gewonnen. Mit dem Preis werden sowohl innovative Projekte gefördert, die aktiv zum Klimaschutz beitragen, als auch neue Projekte und Ideen unterstützt, die zur CO2-Reduktion oder zu einer besseren Nutzung der Energie beitragen. Dies ist eine bedeutende Prämierung und eine prestigeträchtige Anerkennung für die Holz-Heizzentrale von Anzère.

Das Projekt wurde von MANN Naturenergie (Deutschland) initiiert und über die schweizer Beteiligungsgesellschaft MANN Energie Suisse umgesetzt.
Weitere Informationen über das Projekt gibt es auf der folgenden Website: http://chauffageboisanzere.ch/site/de/